Realbrandausbildung in Düsseldorf

Realbrandausbildung DüDo. Bilder: VGV Irrel.

“…so 250°C an der Decke und ca. 100°C in 1m Höhe, war also noch ganz angenehm…”

Am 27.4. waren insgesamt 20 Atemschutzgeräteträger aus der VG Irrel zur Heißausbildung an der Feuerwehrschule der Berufsfeuerwehr Düsseldorf. Der Fokus des von Wehrleiter Richard Wirtz organisierten Intensivkurses lag auf auf der Realbrandausbildung in der Brandsimulationsanlage. Desweitern standen theoretischer Unterricht und praktische Übungen zum Umgang mit Strahlrohren auf dem Plan. Von uns war Michael T. mit vor Ort. Für Michael war es der erste Besuch in einer Brandsimulationsanlage und sein Fazit sehr positiv. Andere Teilnehmer, die bereits zuvor in ähnlichen Anlagen privater Anbeiter geübt haben, bewerteten den Ausbildungstag jedoch enbenfalls als den bisher besten, den sie besuchen durften. Hier Michaels Bericht:

Der Tag begann morgens um 05:15 Uhr mit der Abfahrt am Feuerwehrgerätehaus in Irrel. Nach 2,5 Stunden Busfahrt erreichten wir gegen 7:45 die Feuerwehrschule in Düsseldorf-Garath. Dort legten wir unsere Persönliche Schutzausrüstung (PSA) ab und nach einer kurzen Vorstellung der Ausbilder begann der theoretische Unterricht.

In knapp drei Stunden Theorie wurden verschiedene Themen angesprochen, angefangen mit Erklärungen zur Schutzausrüstung über Techniken und Taktiken während Brandbekämpfung und Personensuche in Gebäuden bis hin zum Umgang mit Hohlstrahlrohren und Brandphänomenen wie dem sogenannten Flashover.

Nach dem anschließenden Frühstück begann der praktische Teil der Ausbildung, zunächst allerdings nur “kalt” auf dem Hof der Feuerwehrschule. Dort konnten den Umgang mit dem Hohlstrahlrohren in verschiedenen Situationen üben. Für mich ging es zunächst zur Station “Türöffnungsprozedur”. Dort wurde das sichere Vorgehen beim Öffnen einer Tür zur einem Brandraum geübt.
An der zweiten Station fand klassisches “Strahlrohrtrainung” statt. Es wurde die fiktive Rauchschicht in einem fiktiven Brandraum auf Hitze kontrolliert und nach entsprechender Ansage des Ausbilders durch Sprühstöße mit dem Hohlstrahlrohr gekühlt bzw. weiter vorgegangen und erneut die Rauchtemperatur geprüft.

Dann ging es zum warmen Teil des Ausbildungstages über. Dabei wurde zunächst eine Wärmegewöhnung durchgeführt. Diese bestand aus zwei Durchgängen in der gasbefeuerten Übungsanlage der Feuerwehrschule, bei denen natürlich Atemschutz in Form von Pressluftatmern getragen wurde.
Im ersten Durchgang sollten wir bei noch relativ niedrigen Temperaturen auf vollständige Schutzkleidung verzichten und nur mit der für die Brandbekämpfung im Innenangriff ungeeigneten dünnen Einsatzkleidung und ohne Flammschutzhauben durch die Anlage gehen. Im ersten Raum der Anlage, einer simulierten Küchenbrandstelle, spürte man die Hitze, die die Flammen erzeugten, schon deutlich. Dann sollten wir die Handschuhe ausziehen und die Hand langsam vom Boden in Richtung Decke bewegen. Dabei war schon ein starker Temperaturanstieg spürbar.

Im zweiten Raum, einem Lagerstättenbrand, war es dann nochmal spürbar wärmer, sodass alle relativ schnell intuitiv in die Knie gingen, um sich nicht die Ohren zu verbrennen. Auch hier das gleiche Spiel, Handschuhe aus und erfühlen, wie stark die Temperatur zur Decke hin zunimmt. An der Decke konnte man die Hand keine drei Sekunden halten, am Boden wären mehrere Minuten wohl kein Problem gewesen. Das war dann aber auch schon der erste Durchgang. Draußen vor der Anlage gab es dann vom Ausbilder noch den Hinweis, dass eigentlich noch eine Wasserabgabe geplant war, dies aber durch die doch schon zu hohen Temperaturen nicht mehr möglich gewesen wäre, ohne dass wir uns alle verbrüht hätten.

Der zweite Durchgang wurde nun mit vollständiger persönlicher Schutzausrüstung, also “dicker” Jacke, “dicker” Hose, Flammschutzhaube und Brandbekämpfungshandschuhen durchgeführt. In ersten Raum merkte man schon deutlich, dass man besser geschützt war, es kam einem kaum wärmer vor als draußen. Also nochmal Handschuhe aus und testen wie warm es wirklich war. Ergebnis: In Wirklichkeit nicht kühler als beim ersten Mal. Im “Lagerraum” war die Situation dann aber doch nicht mehr ganz so entspannt. Zunächst konnte man dank der Schutzkleidung zwar noch stehen, was sich allerdings nach der ersten Wasserabgabe änderte. Jetzt wollte niemand mehr auf irgend ein Teil der PSA verzichten, denn auch so war der durch die Schutzkleidung dringende Wasserdampf  zu spüren.

Nach der Wärmegewöhnung folgte dann der eigentliche Löschangriff durch einen Trupp in der Brandsimulationsanlage. Zunächst mussten wir den Sicherheitstrupp für den Trupp, der vor uns in die Anlage durfte, stellen. Dann ging es aber wirklich zusammen mit einem der Ausbilder zur Brandbekämpfung in die “Küche”. Ich durfte als erstes ans Strahlrohr. Anfangs hatte ich noch Probleme, bei der Abgabe der Sprühstöße das Strahlbild und die Wassermenge nicht ungewollt  zu verstellen, da der Rückstoß bei 8bar Druck am Strahlrohr und einer Wasserlieferung von ca. 140l/min unerwartet hoch war. Nach dem Verbessern der Schlauchführung im Raum und stärkere Unterstützung durch mein Truppmitglied, waren aber auch die behoben. Danach wechselten die Positionen im Trupp.

Danach ging es zum Lagerbrand. Wieder durfte ich anfangen. Dort hatten wir dann auch ein anderes Hohlstrahlrohr, was zumindest ich besser bedienbar fand. Allerdings war es in dem Raum auch etwas wärmer. Deshalb musste ich die Wasserabgabe schon einschränken, damit es nicht unangenehm wurde. Trotzdem ließ sich der Brand gut bekämpfen. Dann wurde nochmal gewechselt. Die “Abkühlung” weiter hinten war schon ganz angenehm. Kurz darauf gab es einen kurzen Gasalarm in der Anlage, weil wir zu gut löschten und das Gas ohne zu verbrennen ausströmte. Dieser löste eine Notspülung der Anlage aus. Bis zum Neustart hieß es warten. Unmittelbar nachdem wir die Brandbekämpfung wieder aufnehmen konnten folgte eine weitere Zwangspause. Draußen war ein Schlauch geplatzt. Wenigstens konnte man sich in der Zeit in der der Schlauch ausgetauscht wurde ruhig hinsetzten und den Flammen beim aufheizen des Raumes zusehen. Als es weiter ging haben wir die Raumthemperatur durch einen senkrechten Sprühstoß in Richtung Decke geprüft. Es kam kein Tropfen Wasser zurück. Also war es so warm, dass das gesammte Wasser verdampft war und, vor der weiteren Brandbekämpfung, eine Rauchgaskühlung nötig war. Damit war dann unser Durchgang auch beendet.

Beim Rausgehen fragten wir noch wie warm es denn jetzt wirklich in der drinnen war:  “250°C an der Decke und ca. 100°C in 1m Höhe.”, also noch ganz angenehm. Wie uns gesagt wurde, schaltet die Anlage sich aus Sicherheitsgründen bei 450°C an der Decke automatisch ab. Es folgte dann eine kurze Nachbesprechung mit dem Ausbilder, der mit uns in der Anlage war. Im Großen und Ganzen war er mit uns zufrieden.

Jetzt noch ab unter die Dusche, alles einpacken und zur Nachbesprechung des Ausbildungstages wieder in den Lehrsaal. Dort waren sich alle einig, dass es ein gelungener und lehrreicher Tag war, den man in jedem Fall wiederholen sollte.

Um 16:00 Uhr ging es dann mit dem Bus wieder zurück nach Irrel, wo wir gegen 18:15 Uhr wieder ankamen.

Die Frage die sich jetzt noch stellt, ist: Was habe ich als Teilnehmer alles gelernt?

Leider kann ich die Frage hier nicht ganz beantworten, da einfach der Platz und die Zeit fehlt, um alles aufzuschreiben. Außerdem gibt es mit Sicherheit auch Dinge, die nicht bewusst wahrgenommen und gelernt wurden, sondern einen allein durch die Erfahrungen, die man an diesem Tag gemacht hat, sicherer durch das zukünftige Feuerwehrleben kommen lassen. Trotzdem möchte ich die für mich wichtigsten Punkte besonders hervorheben:

  • Gute und vollständige Schutzkleidung ist unverzichtbar. Sie hält allerdings mehr aus als der, der in ihr steckt. Deshalb sollte man seine Belastungsgrenzen kennen. Die Realbrandausbildung in der Form, wie wir sie durchgeführt haben, konnte da unter kontrollierten Bedingungen schon eine Vorstellung geben, wie weit man gehen kann und wann es trotz Schutzkleidung nicht mehr weitergeht.
  • Hohlstrahlrohre sind eine tolle Sache. Einerseits genau so intuitiv und einfach zu bedienen wie ein normales Mehrzweckstrahlrohr, andererseits bieten sie, mit ein bisschen Übung, die Möglichkeit, wesentlich sicherer, effektiver und damit wasserschadenfrei Brände zu löschen. Für den Innenangriff sind sie für mich nicht mehr wegzudenken, da es mit Mehrzweckstrahlrohren einfach nicht möglich ist, gefährlichen Brandphänomenen effektiv entgegenzuwirken.
  • Kommunikation im Trupp ist wichtig! Angefangen bei Warnungen vor entdeckten Gefahren über klare Komandos bei einer Türöffnung bis hin zu einfachen Hinweisen. Dadurch kann ein Truppmitglied dem anderen die Arbeit wesentlich erleichtern.

Aber nicht nur die aktiv beteiligten Feuerwehrleute haben etwas gelernt, sondern auch unser VG-Bürgermeister Moritz Petry, der an der Fahrt teilgenommen und sich den theoretischen Unterricht und die praktischen Übungen angesehen hat. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

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